Notizen/Künstliche Intelligenz
Wo KI heute tatsächlich hilft
Eine Auswahl funktionierender Anwendungsgebiete, die Kriterien, an denen sich eine Investition erkennen lässt — und eine nüchterne Rechnung zu Make-or-Buy.
„Künstliche Intelligenz optimal nutzen“, „zukunftsweisende KI-Strategien“, „KI automatisiert Ihre Geschäftsprozesse“. Mit solchen Versprechen wird derzeit jedes Unternehmen konfrontiert, in sozialen Netzwerken besonders ungebremst. Seit es ChatGPT und Claude gibt, sind viele überzeugt, KI könne alles.
Die berechtigte Frage lautet: Was kann sie wirklich?
Grundsätzlich
Mit KI lassen sich viele Prozesse automatisieren. Nur lohnt es sich selten, jeden davon zu betrachten — die Kosten-Nutzen-Rechnung fällt oft gegen die KI aus. Je allgemeiner ein Prozess ist und je häufiger er bei verschiedenen Nutzern gleich auftritt, desto eher lohnt eine Prüfung.
Das bekannteste Beispiel ist die automatische Verarbeitung von Eingangsrechnungen: sehr viele Belege, sehr viele Unternehmen mit demselben Problem. Entsprechend gibt es dafür sowohl Dienstleister als auch fertige und anpassbare Produkte.
Bereiche, in denen es funktioniert
Betriebswirtschaftliche Prozesse
- Verarbeitung von Rechnungen, Lieferscheinen und sonstigen Dokumenten
- Prozesskostenanalyse und Anomalieerkennung
- Bewerbermanagement und Recruiting-Dialoge
- Erstellung von Dokumentation und Schulungsunterlagen
Vertrieb
- Preis- und Abschlussprognosen auf Basis historischer Daten, jenseits statischer Betrachtung
- Texte für die Kundenkommunikation
- Mustererkennung im Kundenverhalten, besonders im E-Commerce
Produktion
- Predictive Maintenance auf Basis von Telemetriedaten
- Bilderkennung in der Qualitätskontrolle und für Robotersteuerungen
- Flusskontrolle zur Optimierung des Outputs
Marketing
- Content-Erstellung
- Dialogsysteme im Kundenservice
- Individualisierung von Inhalten entlang des Nutzerverhaltens
Woran sich erkennen lässt, ob es sich lohnt
Gut und günstig kann KI:
- viele gleichartige Probleme lösen — Dokumentenverarbeitung, Datenextraktion
- Daten aus Papierdokumenten zuordnen und extrahieren
- Fragen aus einem Wissenspool automatisiert beantworten
- große Datenmengen analysieren
- auf Basis belastbarer historischer Daten Vorhersagen treffen
Eine maßgeschneiderte Lösung lohnt sich, wenn Sie:
- bereit sind, mindestens 50.000 € pro Jahr einzusetzen
- die Ressourcen haben, ein Projekt über Monate zu begleiten
- eine Integration in Ihre Prozesse und IT-Landschaft brauchen
- über genug eigene Daten und Dokumente verfügen — in der Regel hunderte der Belege, um die es gehen soll
Lösungen von der Stange gibt es ab wenigen Euro im Monat. Nur ist damit noch nichts in Ihre Prozesse und Systeme integriert.
Make or buy?
Sobald diese Frage aufkommt, lohnt eine kurze Rechnung. Die reinen Personalkosten für einen KI-Experten liegen im Mittel bei 80.000 € pro Jahr, dazu kommt die Infrastruktur. Und seien wir ehrlich: Einer wird nicht reichen. Auf der anderen Seite bekommt man maßgeschneiderte Lösungen ab 50.000 € pro Jahr.
Meine Haltung: Ein Unternehmen sollte sich auf seine Kernkompetenzen konzentrieren. Wird ein Prozess automatisiert, der unmittelbar zur Wertschöpfung beiträgt, gehört „selber machen“ geprüft. In allen anderen Fällen nicht.
Der Grund liegt weniger im Geld als in der Erfahrung. Um KI-Projekte erfolgreich umzusetzen, müssen Kompetenzen aufgebaut werden, und die Vorhaben sind meist komplexer als gedacht — oder es wurde schlicht übersehen, was alles dazugehört. Die meisten internen KI-Initiativen scheitern an der Umsetzung, seltener an den Kosten. Die waren dann trotzdem höher als nötig.
Wie es weitergeht
Sprechen Sie mit mehreren Fachleuten. Bauen Sie eine eigene Grundkompetenz auf. Lassen Sie sich im Zweifel von mehreren Stellen unabhängig voneinander beraten, bevor Sie entscheiden.
Zehn-, zwanzig-, selbst dreißigtausend Euro für Beratung im Vorfeld zahlen sich aus. Jedes gescheiterte Projekt wird teurer — und kostet zusätzlich Zeit.
Steckt bei Ihnen gerade genau das? Ich arbeite damit beruflich.
KI-Vorhaben einschätzen und umsetzen →