Scrum „lernen“

Scrum lernen

Viele Entwickler kennen das, wenn jemand sagt, dass „agile Softwareentwicklung“ oder „agile Methoden“ „besser“ sind. Oder „mit Scrum geht das ganz einfach“. Das sorgt oft mit hoher Wahrscheinleicht dafür, dass der Abwehrreflex aktiviert wird bevor noch Argumente der Gegenseite vorgetragen werden. Kann man oder will man überhaupt Scrum lernen?

Was bedeutet denn „agile Softwareentwicklung“?

Agile bedeutet soetwas wie flink und wendig. Agile Softwareentwicklung setzt darauf ab, dass die Entwicklung oder Teile davon sich schnell an wechselnde Gegebenheiten (wie Anforderungen) anpassen können.

Jedenfalls ist das die Grundidee. – Verzicht auf bürokratischen Overhead bei gleicher oder höherer Qualität.

Da sich ein Großteil der Anforderungen in Projekten wärend der Laufzeit ändert, wurde diese „agiler“. In der Anforderungsanalyse (neudeutsch: Requirements Engineering) wird nun nicht mehr alles komplett und vorher ausgetüftelt und mit unmengen Dokumentation festgehalten. Die Kernfragen: Welches Problem lösen wir? Und: Wer hat das Problem? (Zielgruppe)

Viele scheitern bereits daran. Ich habe das oft erlebt. Das liegt auch daran, dassdiese Fragen früher auch gern mal nicht gestellt wurden. Ja genau, nicht gestellt und nicht vergessen. Getreu nach dem Motto: „Augen zu und durch.“

Die agilen Werte fanden 2001 Eingang in das agile Manifest.

Was hat Scrum damit zu tun und kann man Scrum lernen?

Scrum ist ein Vorgehensmodell des Projekt- und Produktmanagements. Das bedeutet, es ist weder auf Softwareentwicklung, noch auf Projektmanagement beschränkt. Man kann alles damit machen.

Ich habe Scrum auch mit meiner großen Tochter durchgeführt. Wir haben es nicht Scrum genannt, sondern „Was will ich diese Woche schaffen“. Dabei wurden Klebezettel an die Küchentür geklebt und auf drei Spalten verteilt. „Neu“, „Bin dabei“ und „Fertig“ sind die Spaltenüberschriften. Und jedes Kind freut sich, wenn es die Klebezettel selbst bewegen darf und am Ende der Woche alle ganz rechts kleben. Geschafft. Selbst glücklich gemacht. Wir haben am Ende der Woche auch überlegt, was in der kommenden Woche an der Reihe ist und gemeinsam die Zettel geschrieben.

Nach einiger Zeit lief das Ganze ohne mein Zutun und irgendwann auch ohne Zettel. So soll es sein. Scrum ist am besten, man es es nicht mehr braucht.

Scrum lernen? Kein Problem. Lesen und Schreiben sind dabei von Vorteil; es geht aber auch ohne. (Mit Bildern und Symbolen)

Meine Erfahrungen mit Scrum

Nachdem ich in den letzten Jahren mehrere Projekte als Scrum-Master und auch als „Chef“ begleitet habe, möchte ich meine Gedanken mit euch teilen.

Scrum kann nicht über Nacht eingeführt oder erlernt werden. Generell ist es wichtig, dass es Rückendeckung von oben und von unten gibt. Das bedeutet für mich, es gibt Entwickler die Scrum wollen und es gibt einen (oder mehrere) Manager die das wollen. Damit ist die eine Grundvoraussetzung geschaffen; das Bekenntnis. Denn ohne Bekenntnis dazu, es versuchen zu wollen, kann man es auch gleich sein lassen. Scrum ist kein Selbstzweck.

Schritt zwei; das Ziel festlegen. Im Team wird in der Regel ja etwas entwickelt das entweder extern oder intern beauftragt wurde. Also was entwickeln wir für wen? Ist diese Frage so beantwortbar, dass man sogenannte Personas erstellen kann? Personas sind Mustervorlagen für ideale Kunden oder Käufer. Personas haben Eigenschaften wie Alter, Kaufkraft, Beruf etc.

Erfahrungsbericht: 100 Tage Scrum

Anfangen mit Scrum

Wie fange ich nun an? Was nicht so gut funktioniert ist: Buch lesen und los legen. Kein Scrum Buch kann die alle Fragen beantworten. Klar, es gibt super Bücher (siehe ganz unten); aber einem Buch kann man einfach keine Fragen stellen. Und google ist dabei auch nicht Freund, sondern Feind. Bei Scrum gibt es im Prinzip nichtmal „die reine Lehre“. Es gibt aus meiner Sicht eher zwei; die von Schwaber und die von Sutherland.  (Mehr zu Schwaber vs Sutherland auf Wikipedia.) Heutzutage eher noch mehr….

Ich empfehle mindestens folgendes: Schickt ein paar Leute zu einem Scrum Master Kurs. Und noch besser, auch jemanden zu einem Product Owner Kurs.

Noch besser: Holt euch einen Scrum Trainer ins Unternehmen und lasst euch vor Ort schulen und einturnen. Also arbeitet gemeinsam. Become agile – do Scrum! Loslegen und die Fragen und Probleme direkt angehen. Dadurch kommt ihr schneller in Fahrt und erspart euch viel viel Frust.

Tools für Scrum

Möchte man Scrum lernen oder Tools lernen? Genau. Scrum reicht.

Ich persönlich tendiere zu Pen and Paper. Flipchart, Neuland Stifte, Klebeband und Klebezettel. Alles andere lenkt, insbesondere am Anfang, einfach ab. Euer Ziel läßt sich mit keinem Tool erreichen. Nur euer Einsatz und eure Arbeit im Rahmen von Scrum wird ein Ergebnis hervorbringen können.

Später könnt ihr gern euer Tooling vervollständigen. (Es gibt Plugins für alle guten Projektmanagement oder Issue Tracking Tools)

Ein Tool oder vielmehr eine Kategorie möchte ich euch jedoch ans Herz legen: Testgetriebene Entwicklung (TDD). Test first und API first (also erst die API Spezifizieren, dann implementieren) haben sich immer immer immer und immer wieder bezahlt gemacht. Niemand ist schneller, wenn er nicht testet. Er glaubt es nur, weil er die Fehler noch nicht gefunden hat!

Auch wichtig: Scrum und Continuous Integration

Wie geht es nun weiter?

Zunächst sind gegensätzliche Meinungen vielleicht interessant, darüber schrieb ich in Scrum – die Untiefen ODER Warum Scrum nicht immer gut ist.

Da die meisten Leser nun doch nach einem Buch suchen (wollen), hier meine Empfehlungen. Alle Bücher habe ich selbst gelesen. Einige dieser Bücher sind alt, aber es gibt dann einfach oft keine neueren und besseren Bücher dazu!

Scrum lernen

Testen

Internetquellen

Fazit

Scrum kann man lernen. Die Einführung im Unternehmen sollte jedoch von einem Profi begleitet werden. Im Raum Leipzig komme ich auch gern selbst vorbei, ansonsten kenne ich viele gute agile Praktiker die gern helfen agile zu werden!