Objektwahrnehmung und Gestaltgesetze

Dies ist der dritte Teil der Serie Objektwahrnehmung und Gestaltgesetze nach Max Wertheimer. In dieser Serie erscheint täglich ein Artikel zu den Gestaltgesetzen Wertheimers. Gestern erschien Gestaltpsychologie und gestalttheoretischer Erklärungsansatz. Heute folgen die Gestaltgesetze.

Gestaltgesetze (nach Max Wertheimer)

Das Gesetz der Nähe

Es besagt, dass gleiche Elemente (Elemente mit gleichem Reiz) mit geringeren Abständen zueinander als zusammengehörig wahrgenommen werden. In Abbildung 1 sehen wir links eine Anordnung in Zeilen und rechts in Spalten. Wir nehmen diese Zusammengehörigkeit so war, weil die Elemente sich näher sind.

Gesetz der Nähe
Abb.1: Gesetz der Nähe

Das Gesetz der Ähnlichkeit

Sich ähnlich sehende Elemente werden nach dem Gesetz der Ähnlichkeit eher als zusammengehörig empfunden als sich unähnlich sehende. Ob diese sich in Form, Farbe o.a. ähneln ist egal. In Abbildung 2 wurden gleiche Farben und gleiche Formen dargestellt. Wargenommen werden links und rechts Spalten mit Elementen (einmal schwarz Kreise und einmal lilane Rechtecke).

Das Gesetz der Ähnlichkeit
Abb.2: Das Gesetz der Ähnlichkeit

3. Das Gesetz der guten Gestalt (Gesetz der Einfachheit oder Prägnanzgesetz)

Gestalthafte Wahrnehmungseinheiten bilden sich laut diesem Gesetz so aus, dass sie im Ergebnis eine möglichste einfache und einprägsame Gestalt darstellen (z. Bsp. Viereck, Kreuz etc.). In Abbildung 3 sehen wir somit in den meisten Fällen zwei Quadrate die übereinander liegen. Einman schwarz auf schwarz und einmal rot auf schwarz. Wohl kaum jemand wird behaupten, mehrer Vielecke zu sehen wie in Abbildung 4.

Das Gesetz der guten Gestalt
Abb.3: Das Gesetz der guten Gestalt

Gestaltgesetze Vielecke
Abb.4: Vielecke statt Vierecke

4. Das Gesetz der guten Fortsetzung (Gesetz der durchgehenden Linie)

Im Fall zweier sich treffenden Linien a und b gehen wir in unserem Beispiel (Abb. 5) wohl immer davon aus, dass diese sich (in Punkt x) schneiden (Abb. 6).

Niemand wird auf die Idee kommen, dass es sich bei a und b um v-förmige Gebilde handelt, die sich im Punkt x berühren wie in Abbildung 7.

Gestaltgesetze zwei Linien
Abb.5: zwei Linien

Gesetz der durchgehenden Linie
Abb.6: Gesetz der durchgehenden Linie

Gesetz der guten Fortsetzung
Abb.7: V-Linie im Gegensatz zum Gesetz der guten Fortsetzung

Das Gesetz der Geschlossenheit

In den Gestaltgesetzen bedeutet das Gesetz der Geschlossenheit, dass in geometrischen Gebilden diejenigen Strukturen als Figur wahrgenommen werden, die eher geschlossen wirken (Abb. 8 und 9) als offen (Abb. 10). Diese Figuren sind jeweils Geschlossen und werden als Einheit wahrgenommen oder sind offen und stehen in einem schwachen Zusammenhang.

Das Gesetz der Geschlossenheit
Abb.8: Das Gesetz der Geschlossenheit

Gestaltgesetze - Geschlossenheit
Abb.9: Gestaltgesetze – Geschlossenheit

Offene Form
Abb.10: Offene Form

 

6. Das Gesetz des gemeinsamen Schicksals

Elemente einer Reizvorlage, die eine Veränderung oder Bewegung, z. Bsp. durch Drehung oder Verschiebung in die gleiche Richtung, werden als Einheit wahrgenommen (Abb. 11). Ein weiteres Beispiel sind hier Syncronschwimmerinnnen.


Abb. 11

Schlussbemerkungen

  • Die Gestaltgesetze können die Entstehung von Wahrnehmungseindrücken nur beschreiben.
  • Eine Vorhersage der Wahrnehmung ist nur begrenzt möglich.
  • Die Deutung unter Zuhilfenahme der Gestaltgesetze ist stets subjektiv und keine allgemeingültige Interpretation.
  • Die Gestaltgesetze sind nützliche Werkzeuge zur Beschreibung der Wahrnehmung und ihrer Organisation.