Figur-Grund-Unterscheidung

Dies ist der vierte und letzte Teil der Serie Objektwahrnehmung und Gestaltgesetze nach Max Wertheimer. In dieser Serie erscheint täglich ein Artikel zu den Gestaltgesetzen Wertheimers. Gestern erschien „Objektwahrnehmung und Gestaltgesetze„. Heute folgt die Figur-Grund-Unterscheidung.

Prinzipien der Figur-Grund-Unterscheidung

Die Figur-Grund-Unterscheidung (FGU) ist die graphische und räumliche Organisation von Einheiten. Diese Organisation geschieht in der Regel unter Bildung einer Makroeinheit. Wenn wir beispielsweise viele Menüpunkte auf dem Bildschirm haben, so gruppieren sich diese zu einem Menü (Gesamtheit aller Menüpunkte). Das Menü wäre hier die Makroeinheit.

Die Beschreibung der Gruppierung von Reizmerkmalen einer Anzahl von Wahrnehmungselementen oder Figuren ist Aufgabe der Figur-Grund-Unterscheidung. Die Prinzipien der FGU beinhalten objektive Bedingungen der perzeptuellen Wahrnehmung unseres Wahrnehmungsfeldes. Das perzeptuelle Wahrnehmen geschieht im perzeptuellen Gedächtnis welches dem impliziten Gedächtnis zugerechnet wird. Das perzeptuelle Gedächtnis ermöglicht ein Wiedererkennen von bereits bekannten Mustern. Das bedeutet, dass Lernen durch Wiederholen das Einprägen in das perzeptuelle Gedáchnis ist. Man erkennt jeden Apfel als Apfel, wenn er typische, im Gedächtnis abgespeicherte Merkmale besitzt. Das perzeptuelle Gedächtnis ermöglicht schnelle Beurteilungen wahrgenommener Reize auf der Basis von Neuigkeit und Vertrautheit. (Stangl, 2017).

Klein vor Groß

Die kleinere Einheit wird eher als Figur vor einem größeren Hintergrund wahrgenommen als umgekehrt. Die Figur liegt dabei vor dem Hintergrund.

Beispiel: Pop-up vor leerem Grund ist besser zu erfassen als maximiertes Fenster.

Dunkel vor Hell

Die dunklere Einheit wird eher als Figur auf einem helleren Hintergrund wahrgenommen als eine hellere vor dunklem Grund.

Beispiel: schwarzer Text auf weissem Bildschirm (Papier)

Zentral vor Peripher

Eine räumlich zentrale Einheit wird eher wahrgenommen als eine periphere.

Beispiel: Ein Anmeldefenster zentral vor einem Hintergrund vs. Ein Menü oben in einer Ecke.

Vertikal vor horizontal vor obliqu

Eine Einheit mit einer vertikalen (Abb. 13) oder horizontalen (Abb. 14) Hauptachse wird eher als Figur wahrgenommen als eine mit obliquer, also schräger, Hauptachse. Dabei ist die Wirkung einer vertikalen grösser, als die einer horizontalen.

Figur-Grund-Unterscheidung: Vertikal vor Horizontal
Abb.13: Vertikal vor Horizontal

Figur-Grund-Unterscheidung: horizaontal vor schräg
Abb.14: Horizontal vor schräg

Symmetrie zuerst

Eine symmetrische Einheit wird eher als Figur wahrgenommen als eine asymmetrische (Abb. 15). Die Symmetrie um die senkrechte Mittelachse hat eine stärkere Wirkung als jede andere.

FGU Symmetrie zuerst
Abb.15: Symmetrie zuerst

Konvex vor konkav

Eine Einheit mit konvexen Rändern wird eher als Figur wahrgenommen als eine mit konkaven (nach innen gewölbten) Rändern (Abb. 16).

Figur Grund Unterscheidung konvex vor konkav
Abb.16: Konvex vor konkav

Dies war der vierte und letzte Teil der Serie Objektwahrnehmung und Gestaltgesetze nach Max Wertheimer.